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Einmal Fahrer sein

Man kann es sich fast nicht vorstellen, bei fast 60° fest verzurrt im laufenden Auto zu sitzen, mit einem Overall der keine Luft durchlässt, in dem keine Luft an die Haut gelangen kann, weil die Vorschrift das alles so vorsieht.

Die Konkurrenz im Nacken, bei extremsten Witterungsbedingungen einen kühlen Kopf zu bewahren, um dann abzuwägen, wo, wann und wie man einen Verfolger am besten abschütteln kann. Nach einer verpassten Ideallinie auf einen Mitbewerber nah aufzufahren und nicht auf biegen und brechen alles zu riskieren, da man ja noch viele Stunden Zeit hätte, wenn da nicht die so grausame Zeitnahme wäre, die jeden Fehler gnadenlos aufdeckt und ans Tageslicht bringt. Bei all den vielen Einflüssen noch die Armaturen im Auge behalten und regelmäßige Rückmeldungen an die Box geben: "Alles ok!"

Jetzt sind auf dieser Rennstrecke rund 220 Rennwagen im Dauereinsatz. Der schnellste mit ca. 800 PS und der kleinste mit 80 PS. Das ist etwas, was man mit "dem Mofa auf der Autobahn" vergleichen muss, denn jeder will der schnellste sein.

Fazit: Hobby-Rennfahrer oder Profi-Rennfahrer sind aus einem ganz besonderen Holz geschnitzt!

All das ist richtig. Wer noch nie in der letzten Runde bei so einem Rennen am Steuer saß, wenn 300.000 Fans einem zeigen, was Sie von dir halten, wenn 500 Strecken-posten sich dafür bedanken, dass du heile angekommen bist, wenn rund 1000 Mechaniker auf die Boxenmauer klettern (mehr als bei der Formel Eins), um dir zu sagen, du bist daheim und der Verantwortliche Hans Schnock dich mit dem schwarz-weiß karierten Tuch auf der Ziellinie empfängt...

...dann weiß man, warum wir so verrückt sind.

2005
WOLFGANG MÜLLER

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