Nach der kompletten Revision der Technik unseres Renn-Astras stellte uns die orkanartige Witterung vor neue Probleme. Regen stand auf unserem Wunschzettel - vom ersten Tag der Planung des diesjährigen 24h-Rennens an -, jedoch von "Wasserspielen" auf der Zielgeraden und kleinen Schlammbächen war nie die Rede.
Die Reifenwahl ist wie so oft der Schlüssel zum Ziel. Mit besonderen Intermedien gingen wir in die verspätete Einführungsrunde. In allen Boxen wurde Reifen-Roulette gespielt. Turn 1 lief nach Plan und wir gingen nach zwei verhaltenen Runden mit guter Pace voran. Auf der abtrocknenden Rennstrecke fuhren wir etwas konservativ in der Spitzengruppe mit und stellten hier schon unsere außergewöhnliche Performance unter Beweis. Die Kollegen Breidenstein und Rudolph gaben ihr Bestes und glänzten mit perfekter Fahrt. In den Abendstunden legten wir einen Zahn zu und konnten mit taghellem Bi-Xenon einige Kontrahenten in den Schatten stellen. Trotz eines kleinen "Rennunfalls", der eine kurze Reparaturpause mit sich zog, schlossen wir schnell auf.
In der Nacht kam das rote Tuch der Rennleitung. Sichtweiten von weniger als 20 Metern zwangen zum Abbruch. Leider nicht zu den im Reglement stehenden Bedingungen. Alle Teams durften an den Autos arbeiten und das dezimierte Starterfeld füllte sich wieder enorm. Nach sage und schreibe 6 Stunden Pause gingen wir in das Rennen zurück. Jetzt hieß es die Flucht nach vorne anzutreten. Runde um Runde purzelten die Zeiten und der Plan ging auf. Mit 11.22.20 brannte ich, als gehandicapter Fahrer, meine persönlich schnellste Runde in den Asphalt. "Es lief wie auf Schienen", sagte ich nach dem Turn extrem verschwitzt in einem Plausch mit dem Teamchef. Anerkennung auch von den Rennprofis in der Box, die diese außergewöhnliche Leistung als "Einhänder" zu schätzen wussten. "Das Auto ist vom Fahrwerk so schnell, dass du ab der Hohen Acht viele überholen kannst. Später schlägt dir auf der Döttinger Höhe die Realiität hart ins Gesicht und Autos wie BMW M§ fahren einfach an dir vorbei."
Dann stand der letzte Fahrerwechsel an und der sehr geschätzte Fahrerkollege Oliver Rudolph übergab das leicht havarierte Auto. "Er hat devinitiv Leistungsverlust", so der Audi- Testpilot. Danach folgen die längsten Runden meiner Laufbahn. Das Auto klingt anders, die Leistung fehlt, das sonst so saubere Einlenken ist fast unmöglich geworden. Ein erneuter Stopp stellte alle Träume auf dünnes Eis. Nur noch durchhalten und keine Fehler machen. Alle Gedanken, die das Fahren belasten könnten verdrängen, sauber noch schalten und noch einmal raus auf die Nordschleife.